so lautete die verlockende Ankündigung zu unserer diesjährigen Gruppenfahrt vom 10.09. bis 14.09.2026. Die Wetterprognosen klangen gut, und das Quartier beim Alster-Canoe-Club (ACC) in Hamburg-Winterhude war einigen von uns bereits aus vorherigen Besuchen als paddlerfreundlich, zentral und schön an der Alster gelegen bekannt. Gute Voraussetzungen also, unter denen sich insgesamt zwölf Mitglieder unserer Kanugruppe mit Wohnmobil, Wohnwagen, VW-Bus und Zelten nach Hamburg auf den Weg machten.
Nach Ankunft und Einrichten auf dem ACC-Gelände am Donnerstagnachmittag genossen wir bei schönstem Wetter und mitgebrachtem Fingerfood das bunte Treiben der ACC-Mitglieder auf und an der Alster. Das Zuschauen beim Training der Kanupolospieler des ACC (1. Bundesliga) vermittelte uns einen nachhaltigen Eindruck vom Aktionsreichtum, der Robustheit und Schnelligkeit dieses Wassersports. Der Abend fand seinen Ausklang mit dem Blick auf unsere - von Karin und Miriam geplante - Alster-Tour am folgenden Tag.
Der Freitag empfing uns mit morgendlicher Sonne und wir fanden uns um 10 Uhr mit unseren Booten wohlgemut auf der Alster zusammen. Die Tour führte uns alsterabwärts zur Rathausschleuse. Wir durchquerten dabei kleinere Kanäle, erreichten die offene und weite Außenalster, fuhren unter der Kennedy- und Lombards-Brücke in die enge und urbane Binnenalster ein, ließen uns von der Alsterfontäne „nass machen“ und erreichten über das Alsterfleet die Rathausschleuse. In die Elbe schleusen wollten wir jedoch nicht, stattdessen ging es zurück zum ACC und zwar über den Eilbek- und Osterbekkanal. Hier konnten Verena und Peter sowie Ruth und Rolf ihre in Hamburg lebenden Kinder am Ufer begrüßen – welch schöner „Beifang“ unseres Paddelvergnügens! Zurück beim ACC, die nächste freudige Überraschung: Die Taufe des neuen Bootes von Marion, ein sportlicher Skubi Speed Hybrid-Faltkajak, der auf Tempo, Touren und leichtes Handling ausgerichtet ist (im Rucksack in öffentlichen Verkehrsmitteln transportierbar). Marion hatte sich Bernd als Taufpaten gewünscht und dieser gab in einer launig-nachdenklichen Rede dem neuen Boot den Namen „Lagom“. Dies ist ein Begriff aus dem Schwedischen, der einen inneren Kompass für das „richtige Maß“ im Alltagsleben bezeichnet – ein Leben in Ausgeglichenheit und Zufriedenheit. Welch schöner Name für Marions neues Boot. Den Abend dieses sommerlich-heiteren, mit vielen interessanten Eindrücken erfüllten Tages, beendeten wir mit einem Essen beim Griechen.
Der Samstag war einer Tour vorbehalten, die uns vom ACC alsteraufwärts zur Fuhlsbütteler Schleuse und darüber hinaus führen sollte. Start auch heute um 10 Uhr bei sonnig-mildem Wetter. Miriam führte uns zunächst um das eingezäunte Winterquartier der Alsterschwäne, den sogenannten „Schwanenknast“, in dem die Schwäne gesammelt und versorgt werden, sobald die Alster zufriert. Bis zur Fuhlsbütteler Schleuse ist die Alster dann ein stehendes Gewässer, sie wird breiter und verzweigt an beiden Ufern in mehrere Kanäle, die unseren Ehrgeiz weckten, sie alle abzufahren. Nach der Schleuse - überwindbar durch eine Rollrampe- - bekamen wir etwas mehr Gegenströmung zu spüren. Dies wurde aber allemal durch das Vergnügen wettgemacht, auf einem von Wald und Auen umgebenen naturnahen Flussstück zu paddeln. Alle Sinne kamen hier auf ihre Kosten. Doch nach wenigen Kilometern wurde uns die Gegenströmung doch zu stark, vermehrte Grundberührung und verblockte Schwälle ließen uns den Entschluss fassen, umzukehren, an einer geeigneten Stelle Rast einzulegen und zurück zum ACC zu paddeln. Dort beendeten wir den Tag mit beim Italiener bestellter Pizza und engagierter Nachbesprechung.
Am darauffolgenden Sonntag teilte sich die Gruppe. Verena, Peter, Ruth und Rolf, die noch einen weiteren Tag in Hamburg bleiben wollten, befuhren die Alster noch einmal flussabwärts, durchquerten dabei den Isebekkanal, machten Mitte der Außenalster kehrt und landeten – nach einem kräftigen Regenschauer - wohlbehalten wieder beim ACC, dem wir an dieser Stelle recht herzlich für die gewährte Gastfreundschaft danken.
Die andere Gruppe (Christine, Beate, Marion, Martin, Bernd, geführt von Miriam) reiste auf verschiedenen verschlungenen Wegen durch die romantischen Vier Lande und kam gleichzeitig an der Reitschleusenbrücke bei Billwerder an. Regnerische Stimmung veranlasste einige, gleich die Regenjacke anzubehalten, die anderen wechselten mehrfach unterwegs die Bekleidung. Wir fuhren die Gose-Elbe ein Stück nordwärts, dann nach Osten in die Dove-Elbe und über die 2000-m-Ragattastrecke des Wassersportzentrums. Dem sanft geschwungenen toten Flussarm folgten wir bis vor die Krapphofschleuse und nahmen dann den Neuengammer Durchstich nach Südosten. Hier wurde deutlich, dass wir uns im Gemüsegarten Hamburgs befanden. Die Wasserlinsen, Synonym Entengrütze bildeten eine Schicht von 10 cm oder mehr, so dass Skegs und teilweise auch Steueranlagen lahmgelegt waren. Paddeln in grüner Soße kostet deutlich mehr Kraft als im Wasser. Aber als hartgesottene Ausdauersportler erreichten wir nach diesem Rundkurs gut gelaunt, wohlbehalten und vor dem nächsten Regen die Reitschleuse.
Von hier war es nicht weit zum Zollenspieker Fährhaus, und über Winsen an der Luhe kam man rascher nach Hause als auf der verstopften Autobahn.
Rolf Inkermann und Bernd Rieck