Bereits 2015 war die Gruppe am Fluss Socca in der Gegend von Kobarid und Tolmin unterwegs gewesen. In diesem Jahr hatten wir uns nun die Karawanken, einem Gebirgszug an der Grenze des österreichischen Bundeslandes Kärnten und dem slowenischen Gorenjska (Oberkrain), vorgenommen. Im Internet entdeckten wir auf einem Bio Bauernhof gleich hinter der österreichischen Grenze das kleine Eco Hotel Koros, das ganz speziell auf Mountainbiker ausgerichtet war. Hier fand sich neben gepflegter Gastlichkeit alles, was das Fahrradherz begehrt. Das Hotel hatte einen eigenen Single-Trail-Park mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, einen Bikekeller mit eigener Fahrradwerkstadt, einen kleinen Shop für Fahrradzubehör und zahlreiche Angebote für geführte Touren. Der Hotelchef „Dixi“ gesellte sich jeden Abend zu uns, um die Touren für den nächsten Tag mit uns zu besprechen.
Am Sonntag, unserem ersten Tourtag, verbrachten wird die ganze Zeit im Single-Trail-Park. Die naturbelassenen Trails waren in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen gekennzeichnet, gut ausgeschildert und so angelegt, dass jeder dort auf seine Kosten kam. Abends ließen wir uns durch die hauseigene Halbpension, die nur aus regionalen Produkten bestand, verwöhnen.
Montags hatten wir dann unsere erste geführte Tagestour. Der Hotelchef Dixi führte uns als Mountainbike-Guide durch die umliegenden Wälder bis zum Ort Pokerznikow. Immer wieder wechselten sich schöne Ausblicke und anspruchsvolle Trails ab. Nachmittags fuhren wir Strecken, die ehemals zu einem professionellen Downhill Rennen gehörten, für uns aber noch gut fahrbar waren. Alle erreichten danach wieder wohlbehalten das Hotel.
Zweitlängste Flow-Trail Europas
Am Dienstag verluden wir unsere Fahrräder und fuhren mit den Autos zum Petzen. Dies ist ein Bergmassiv in der Nähe von Bleiburg auf österreichischer Seite. Hier findet sich der zweitlängste Flow-Trail Europas mit insgesamt 11 Kilometer Länge. Normalerweise benutzt man die Seilbahn, um den Bikepark nutzen zu können. Dies war für uns aber nicht möglich, da die schlimmen Unwetter kurz vor unserer Urlaubsreise die Seilbahn beschädigt hatten, die daraufhin ihren Betrieb einstellen musste. So blieb uns nichts anderes übrig, als 1000 Höhenmeter eine Forststraße hinaufzufahren. Die Anstrengung wurde belohnt durch herrliche Ausblicke und gutes Essen, oben in der alten Zollhütte. Die Abfahrt auf dem professionell angelegten Flow-Trail war rasant, nicht ganz ungefährlich und machte riesig Spaß.
Für den Mittwoch hatte Dixi für uns eine Trail Tour unterhalb der Petzen vorgesehen, die wir durch einen Bike Shuttle erreichten. Die Fahrt mit dem Transporter und dem Fahrradanhänger durch das unwegsame Gelände war abenteuerlich. Mit den MTBs befuhren wir über weite Strecken, herrliche Wege gesäumt von Heidekrautgewächsen, durch eine wunderschöne und einsame Landschaft. Auf der ganzen Tour begegneten wir keinem Menschen. In Mežica stärkten wir uns am Ende der Tour in einer Pizzeria.
Am Donnerstag war Anej, Dixis Sohn unser Guide. Die Tour führte uns über verschlungene Grenzwege, die einst schon Maria-Theresia, für geheime Missionen benutzt haben soll, bis nach Bleiburg, wo wir unsere Mittagspause in einem Kaffee verbrachten. Von Bleiburg ging es dann aber wieder steil bergan. Der Rückweg führte und durch die Berge von Österreich wieder zurück nach Jamnica. Hier konnten wir noch einige schöne Trails abfahren.
Biken in der Unterwelt
Für den Freitag hatten wir uns noch eine besondere Attraktion aufgehoben. Mountainbiken in der Unterwelt der Petzen in Mežica. Das Gebiet ist schon seit jeher für seine Erzvorkommen bekannt. In über drei Jahrhunderten der Bergwerktätigkeit wurden 19 Millionen Tonnen an Blei- und Zinkerz abgebaut. In einem Besucherbergwerk hatten wir eine Tour gebucht. Zusammen mit einem Guide sollten wir auf einen über fünf Kilometer langen unterirdischen Weg von einem Tal ins nächste fahren. Unser Bike Guide Julija hätte zu Beginn der Tour aber lieber auf den Scherz verzichten sollen, dass sie im Guiding Team die geringste Verlustrate Untertage zu verzeichnen hätte und wir unbesorgt mit ihr in den Berg einfahren könnten. Leider hat uns dieser Spruch eingeholt. Aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen hatten wir tatsächlich, nach der Hälfte der geführten Tour, drei unsere Freunde im Berg verloren. Die Stollen waren eng und teilweise so niedrig, das auch geschoben werden musste. Deshalb wurde bei größeren Abzweigungen und Gangverbreiterungen geprüft, ob noch alle Teilnehmer bei der Gruppe waren. Denn schon nach wenigen Metern hinter einer Abzweigung, oder Kuppe kann die Kette abreißen, wenn nicht alle die gleiche Geschwindigkeit fahren. Der Lichtkegel unserer Helmlampen wurde schnell in der Dunkelheit verschluckt. Auch Geräusche konnten nicht eindeutig zuzuordnen werden. Natürlich war die Aufregung groß, als der Verlust der Biker bemerkt wurde. Unser Guide fuhr vergeblich eine Suchrunde auf unserer Sohle. Das verschaffte uns aber die Sicherheit, dass die Vermissten vor uns auf den Weg sein mussten. Weil die Sorge nicht unberechtigt war, dass sie, möglicherweise Probleme mit der reflektierenden Ausgangsbeschilderung haben könnten, wurde spontan unsere geplante Route abgeändert und wir folgten den „Falschabbiegern“ auf den kürzesten Weg zum Ausgang des Bergwerkes. Dort hatten wir zur großen Erleichterung aller, die Vermissten wohlbehalten wieder angetroffen. Dies war uns eine Lehre, wie wichtig es ist, dass alle Teilnehmer einer MTB Gruppe, den Kontakt und die Kommunikation zu den voraus- und hinterherfahrenden Teilnehmern nicht abreißen lassen dürfen. Glücklicherweise ging unser kleines Bergwerk-Abenteuer gut zu Ende.
Eine schöne Woche, bei herrlichem Wetter ging schnell vorüber. Slowenien mit seiner spektakulären Natur und den freundlichen Menschen hatte sich von seiner besten Seite gezeigt und war wieder eine Reise wert.
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